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03.09.2010

Karstadt: Termin beim Amtsgericht unterbrochen

Nervenkrieg um Karstadt: Das Vermieterkonsortium Highstreet bekommt noch eine Gnadenfrist, um die letzten fehlenden Unterschriften unter den Mietvertrag von Investor Nicolas Berggruen beizuschaffen. Der Termin beim Essener Amtsgericht zur Genehmigung des Insolvenzplans wurde bis 14 Uhr unterbrochen. „Diese Zeit könnte ausreichen", sagt ein Highstreet-Sprecher, der technische Probleme für die Verzögerungen nennt. „Alle, die ja sagen mussten, haben ja gesagt", hatte Berggruen am Donnerstagabend erklärt.
 
Nach Auskunft des Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg fehlte zur Wirksamkeit des Kaufvertrags mit Berggruen noch immer ein wirksamer Mietvertrag. Noch fehlten Unterschriften des Highstreet-Konsortiums, nach seiner Einschätzung sei mit dem Eingang der fehlenden Erklärung in den nächsten Stunden zu rechnen, so der Insolvenzverwalter.
 
Der italienische Kaufhaus-Unternehmer Maurizio Borletti, der zuletzt selbst mit einer Gegenofferte viel Wirbel gemacht hat aber beim Insolvenzverwalter Klaus Huber Görg abgeblitzt ist, geht bereits vom Erfolg Berggruens aus und zeigt sich als guter Verlierer. „Wir wünschen Karstadt und den Mitarbeitern alles Gute", erklärte Borletti in einer Mitteilung. Er respektiere die Entscheidung von Highstreet und seinen Gläubigern für die Berggruen Holding und hoffe, dass das Unternehmen langfristig wieder auf den Wachstumspfad zurückkehrt. „Ich bin überzeugt davon, dass das Warenhaus in Deutschland und Europa eine gute Zukunft hat", so Borletti.
 
Am Donnerstag hatten zwei Gläubiger-Gruppen des Vermieterkonsortiums Highstreet bei ihrem Treffen in London dem neuen Mietvertrag von Investor Nicolas Berggruen zu 100% zugestimmt. Danach fehlten nur noch die Unterschriften der sogenannten Mezzanine-Gläubiger. Bringt Highstreet alle Unterlagen zusammen, kann das Amtsgericht in Essen den Insolvenzplan genehmigen und der Weg für die Rettung der insolventen Kaufhauskette mnit 25.000 Arbeitsplätzen wird frei. Die Einigung mit dem Vermieterkonsortium erfüllt die letzte aufschiebende Bedingung des Kaufvertrags, der am 8. Juni zwischen Berggruen und dem Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg geschlossen wurde.Die Einigung mit dem Vermieterkonsortium erfüllt die letzte aufschiebende Bedingung des Kaufvertrags, der am 8. Juni zwischen Berggruen und dem Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg geschlossen wurde.
 
Alle anderen Forderungen des Insolvenzplans sind bereits erfüllt. Das Bundeskartellamt hat die kartellrechtlichen Genehmigungen für die Übernahme erteilt. Die Mehrheit der Städte und Gemeinden mit Karstadt-Standorten hat dem Verzicht auf Gewerbesteuereinnahmen aus Sanierungsgewinnen der Warenhauskette zugestimmt. Die Tarifkommission der Dienstleisungsgewerkschaft Verdi hat eine Anpassung des Fortführungstarifvertrags zur Karstadt-Sanierung beschlossen.
 
Zuletzt hatte sich Berggruen mit der Valovis Bank geeinigt. Das Kreditinstitut der Karstadt-Pensionäre hat die Ansprüche der ehemaligen Mitarbeiter mit einem 850 Mill. Euro-Kredit für 53 von 120 Karstadt-Häuser abgesichert. Da sich die Verhandlungen mit den übrigen Highstreet-Parteien aufgrund der großen Gläubigerzahl in die Länge zog, war die Frist, in der das Amtsgericht über die Gültigkeit des Kaufvertrags mit Berggruen entscheiden sollte, bereits mehrfach verschoben worden. Im Vorfeld des Londoner Treffen hatte Görg einen Liquidationsplan an die Gläubiger geschickt, um das Szenario für den Fall zu skizzieren, dass keine Einigung gefunden wird.  

Eine Lösung für die 25.000 Karstadt-Beschäftigten ist zum Greifen nah.

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